Zur Erinnerung an Peter Grave

Kantor in St. Antonius
01.07.1986 bis 04.1992

 


Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Text: Dietrich Bonhoeffer

Am Donnerstagabend (17.11.2007) während der Proben zum Faurè-Requiem bekamen wir die schreckliche Nachricht, dass unser ehemaliger Kantor und Chorleiter Peter Grave in Köln verstorben ist.

Am 1.7.1986 wurde Peter unser Chorleiter und mit ihm begann, so kann man wohl sagen, ein ganz neues Kapitel Kirchenmusik in
St. Antonius.

Für viele von uns war er derjenige, der uns in den Chor geholt und für die Kirchenmusik begeistert hat.

Er hat den ersten Jugendchor gegründet und mit seiner Art und seinem Engagement viel Anklang bei den Jugendlichen gefunden.

Wenn wir an die verschiedenen Chorleiter zurückdenken, die wir in den vergangenen Jahren hatten, so sind es bei ihm zuerst die menschlichen Aspekte die uns einfallen.

In seiner zurückhaltenden, fast schon schüchternen Art, hatte  er doch so viel Freundlichkeit, Witz und Humor, so viel Ehrlichkeit, Ernst und Begeisterungsfähigkeit.

Wir hören ihn, es war anlässlich eines Dekanatssingens in Langenbochum, als bei der letzten Probe ein Stück nicht klappte, ärgerlich sagen: „Weg damit, in die Mappen, das wird nicht gesungen.“

Alles ging betreten auseinander.

In der nächsten Probe entschuldigte er sich und sagte: „Wenn ein Stück nicht klappt, liegt das nicht am Chor. Es ist immer Sache des Chorleiters, entweder war der Chor überfordert, oder es war nicht gut geprobt."

Auf jeden Fall müsse ein guter Chorleiter seinen Chor einschätzen können. Darum sei es sein Fehler gewesen, was da passiert sei.

Das hat uns ganz schön beeindruckt.

Wir sehen ihn Weiberfastnacht mit seinem zweifarbig geschminkten Gesicht am Klavier sitzen und das Lied von der  Jule singen.

Wir sehen ihn voller Ernst und Konzentration bei den Aufführungen von Messen und Kantaten.

Wir hören ihn sagen: „Was singt ihr denn da für einen Scheiß ?“ Und beim nächsten Mal: „Oh, habt ihr alle Privatunterricht gehabt?“

Wir sehen ihn mit seinem Lachen und seiner Warmherzigkeit , mit seiner Zerrissenheit und seinem Glauben.

Wir hören ihn beim Lied „Wohl denen, die da wandeln“ die Zeile singen: „die rechts von Herten suchen Gott“

Wir sehen die vielen fröhlichen Proben, aber auch die `anderen`, wenn der „Meister“ hektisch wurde, die Ohren rot wurden und die Kieferknochen mahlten.

Wir sehen ihn mit seiner Jutetasche durch Herten laufen.

Wir sehen ihn, den sonst so Zurückhaltenden beim Karneval auf die Bühne springen und völlig losgelöst ein tolles Programm gestalten.

Wir hören ihn uns im Kölner Dom zusammenrufen und in einer Seitenkapelle „ Alta trinita beata“ anstimmen.

Das war Gänsehautgefühl!

Wir sehen ihn bei seinem großen Engagement mit den Kindern und Jugendlichen im Jugendchor.

 

Und und und.…

In den letzten Jahren war sein Leben wohl von Tragik und Krankheit gezeichnet.

Wir hoffen, dass wo immer seine Seele jetzt ist, er seinen Frieden
gefunden hat.

Wir wissen, dass wir alle, die wir ihn gekannt haben, immer mit Wärme und Zuneigung an ihn denken werden.

 

Für den Antoniuschor
Ulla Melzer

 

 

Kondolenz  

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